Das Horoskop
Die Tierkreiszeichen – zwölf kosmische Archetypen
Sicher kennen Sie Ihr Tierkreiszeichen. Fast jeder Mensch kennt zumindest sein eigenes. Die meisten Menschen wissen auch, in welchem Zeichen ihr Partner geboren ist. Manche kennen sogar das Sternzeichen von einigen Verwandten und Freunden.
Vielleicht können Sie darüber hinaus ein paar Eigenschaften und Verhaltensweisen nennen, die man bestimmten Zeichen zuordnet? Sprichwörtlich ist die Sparsamkeit der Jungfrau. Oder das Ungestüm des Widders, wenn er wieder einmal partout mit dem Kopf durch die Wand will. Möglicherweise ist Ihnen auch selbst schon einmal ein „typisch Widder … Löwe oder Krebs!“ herausgerutscht.
Was hat es auf sich mit dieser so populären Typologie? Was sagt sie aus über den Menschen und über das Individuum?
Blicken wir zunächst einige Jahrtausende zurück. Die Menschen blickten zum Himmel, sahen die Sterne in bestimmten Konstellationen „vorüberziehen“ und beobachteten die Sonne auf ihrer vermuteten Bahn um die Erde.
Ihrem Weltbild entsprechend nahmen die Menschen an, dass das Universum ein Ganzes sei, und dass die beobachteten Bewegungen der Himmelskörper Entsprechungen auf der Erde haben müssten. War es doch offensichtlich, dass der Stand von Sonne, Mond und Sternen das Leben in ganz bestimmter und immer wiederkehrender Weise beeinflusste. Tag und Nacht, der Wechsel der Jahreszeiten, die Gezeiten Ebbe und Flut …
Man glaubte am Himmel ablesen zu können, was auf der Erde geschah.
„Wie oben, so unten“ lautet eines der bis heute gültigen Grundgesetze der Astrologie.
Was lag näher als die Schlussfolgerung, dass nicht nur das irdische Geschehen am Himmel abzulesen sei, sondern dass es auch in der menschlichen Seele Entsprechungen geben müsse, eine Art kosmologische Landkarte der Seele …
Man benannte die Zeichen am Himmel und sprach ihnen bestimmte Eigenschaften und Wirkungsweisen zu. Die Namen für Sternbilder, Planeten und Tierkreiszeichen, entstammen zum größten Teil der griechischen und römischen Mythologie.
Der Tierkreis, auch Zodiak genannt, ist die älteste Typologie der Welt. Seither wurden noch viele Typologien aufgestellt. Doch keine andere hat bis heute den „Deutungsreichtum“ und die Komplexität der astrologischen Tierkreis-Typologie erreicht.
Die 12 Zeichen des Tierkreises sind Symbole für Archetypen. Das heißt: sie stehen jeweils für bestimmte urtümliche Charakteranlagen und Verhaltensweisen.
Die Tierkreis-Typologie geht davon aus, dass Menschen, die im gleichen Sonnenzeichen geboren werden, eine mehr oder weniger große Zahl ähnlicher Grundeigen-schaften und -merkmale in ihrem äußeren Verhalten aufweisen.
Sie beansprucht nicht, Aussagen über das Individuum zu treffen. Solche Aussagen sind nur aufgrund eines jeweils individuellen Geburtshoroskopes möglich.
Wie jede Typologie schaut auch die Tierkreis-Typologie auf die gemeinsamen Merkmale einer bestimmten Gruppe von Menschen. Als solche ist sie eine wissenschaftliche (!) Methode, die von den individuellen Besonderheiten absieht, um das Gemeinsame in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Sie beschreibt Typen, die in ihrer reinen Form in der Realität nicht zu finden sind.
Erstaunlicherweise ist es aber genau dieser Blick auf die Gemeinsamkeiten menschlicher Eigenschaften, Merkmale und Verhaltensweisen, der uns die Augen öffnet für die unendliche Vielfalt des menschlichen Seins. Ein Blick, der uns immer wieder staunen lässt über die vielen und feinen Unterschiede in der individuellen Ausformung grundlegender, archetypischer Merkmale.
Wenn Sie jetzt nachlesen, wie ein Widder oder ihr eigenes Tierkreiszeichen sich typischerweise verhält, dann bedenken Sie bitte Folgendes:
Der Tierkreis ist nur ein winziger Baustein in dem hoch komplexen astrologischen Deutungssystem.
Jedem der 12 Tierkreiszeichen wird eines der vier Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft zugeordnet. Die Elemente bezeichnen wir in der astrologischen Psychologie auch als Temperamente.
Weitere Deutungsfaktoren sind die 3 Seins-Qualitäten (oder Motivationen) kardinal, fix und veränderlich. Zu guter Letzt – oder besser zu allererst – werden den 12 Tierkreiszeichen die 10 Planeten zugeordnet. Sie sind die Kraftwerke im Horoskop.
Jedes der 12 Tierkreiszeichen verfügt außerdem über ein Oppositionszeichen. Es ist das, was ihm im Tierkreis gegenübersteht, also in gewissem Sinn am fremdesten erscheint. Es wird auch als polares Zeichen bezeichnet und gibt eine „Entwicklungs- oder Lernaufgabe“ auf.
Spätestens jetzt wird die Komplexität der astrologischen Tierkreis-Typologie deutlich – und trotzdem sind wir noch immer bei den Aussagen, die sich nur auf den Typus beziehen.
Aussagen über die speziellen Anlagen und Potentiale des Individuums können nur auf der Grundlage eines persönlichen Geburts-Horoskopes getroffen werden.
Denn nur das individuelle Geburts-Horoskop mit Geburtszeit und –ort berücksichtigt neben den bisher genannten Deutungs-faktoren auch alle anderen wie z. B. die Besetzung der 12 Häuser durch die Planeten, die Aspekte, d. h. die Stellung der Planeten zueinander, die spezielle Dynamik und vieles mehr.
Die Tierkreiszeichen lassen unsere astrologische Konstitution erkennen, unsere Erbanlagen bzw. die Genetik. Durch ihre Besetzung mit Planeten wird ersichtlich, wie wir uns ausdrücken möchten, wo unsere Stärken und wo unsere Schwächen liegen.
